S.O.S beim Osterhasen - Leseprobe

Es war einmal … ein Osterhase.

Du weißt doch, welche Geschichten mit diesem „Es war einmal“ beginnen? Tja, und fast wäre es passiert, dass die Geschichte vom Osterhasen nur mehr ein Märchen ist.

Dagmar freute sich wie jeden Tag darauf, dass sie mit ihrer Mutti zum Einkaufen ge-hen durfte. Frau Lehenberger stand pünktlich, wenn die Schulglocke zum Ende eines Schultages bimmelte, vor dem alten Schulgebäude, um ihre Tochter abzuholen.

Zwei dicke Zöpfe wippten lustig um den Kopf der Erstklässlerin, als sie die Stufen zum schon geöffneten Schultor hinunter hüpfte.

„Auf Wiedersehen, Herr Berger!“, krähte Dagmar freundlich.

Der Gruß galt dem beliebten Schulwart. Er sorgte stets für das Wohlergehen der Kinder an dieser Schule. Unter anderem stand er auch jeden Tag am Eingang, beziehungsweise Ausgang und hielt die schwere Holztür für seine Schulkinder auf.

„Tschüss, Dagmar! Deine Mama ist schon da, hab ich gesehen“, brummelte der Mann gutmütig. „Ihr beide geht jetzt bestimmt einkaufen. Vielleicht siehst ja schon ein paar Schokohasen und Ostereier im Regal.“

Verschwörerisch zwinkerte er dem aufgeweckten Mädchen zu.

„Ja, das wäre toll!“ Dagmar klang begeistert. „Der Osterhase hat sicher auch schon bemerkt, dass die Sonne jeden Tag sooo lange scheint und die Blumen schon aaalle blühen. Bestimmt bemalt er fleißig die Eier, damit er sie dann im Garten verstecken kann.“

Ganz wichtig nickte Dagmar bei dieser Feststellung. Sie wusste, dass der Osterhase die bunten Eier in hübsche Nestchen verpackte und am Ostersonntag im Garten versteckte.

Einmal drehte sich die Schülerin noch um und winkte Herrn Bodenstingel, dem Schulwart, zu. Lächelnd winkte er zurück.

Dagmar hopste auf ihre Mutti zu.

„Fast wie ein kleiner Hase“, dachte Frau Lehenberger bei sich und schmunzelte. Zur Begrüßung schloss sie ihre Tochter in die Arme und drückte ihr einen festen Kuss auf die Wange.

„Hallo, mein Schatz. Und wie war dein Schultag heute? Habt ihr wieder etwas Neues gelernt?“, erkundigte sich die Mutti gleich.

Aufgeregt berichtete Dagmar, dass sie heute einen kleinen Aufsatz geschrieben hatten.

Gertrude Lehenberger lächelte. Für die Kinder war es bestimmt eine Herausforderung gewesen, selbst Sätze mit den gelernten Buchstaben zu schreiben.

„Das klingt ja aufregend“, lobte Gertrude ihre Tochter. „Und worüber hast du ge-schrieben?“

„Na, vom Osterhasen natürlich“, berichtete die Schülerin. „Der kommt ja bald.“

„Stimmt. Schauen wir, ob heute schon etwas in den Geschäften zu sehen ist.“ Fröh-lich plaudernd gingen Mutter und Tochter zu dem Einkaufsmarkt, der auf dem Weg zu ihrem Haus lag.

Nicht nur Frau Lehenberger, auch viele andere Mütter hatten sich schon gewundert, warum in diesem Jahr nur sehr wenig von österlichem Glanz und Beiwerk in den Kaufhäusern zu finden war. In den vorangegangenen Jahren war es immer so gewesen, dass kurz nach dem Weihnachtsfest schon die ersten Vorboten des hoppelnden Gesellen aus den Schaufenstern lachten.

Geschmückte Weidenkätzchen hier. Ein geflochtener Korb mit bunten Eiern da. Schokoladehasen, die sich um noch größere Schokoladehasen drängten. Manche Kindernase drückte sich dann auf den Schaufensterscheiben platt.

Diesmal war es jedoch anders.

Osterhasen im glänzenden Papier konnte man schon sehen. Doch nirgendwo auch nur ein Osterei.

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